Die neue Saison läuft, es ist viel passiert, auch in der spielfreien Zeit. Unserem Verein merkt man langsam an, dass er in der Bundesliga angekommen ist. In letzter Zeit gab es einige Ereignisse, die uns ziemlich auf den Magen geschlagen haben, weshalb wir uns nun zum ersten Mal wirklich gezwungen sehen, Kritik am eigenen Verein zu üben!
Der erste Aufreger aus unserer Sicht ereignete sich beim Amateurspiel gegen die Offenbacher Kickers. Nach Ankündigungen in der Presse, dass die Südtribüne, unsere Heimat im Stadion, Offenbacher beherbergen sollte, während wir Mainzer nur auf die Haupttribüne dürften, war in unseren Reihen die Empörung groß! Unsere Fankurve, in der wir Woche für Woche alles tun, um unseren Verein anzufeuern. Der Ort, an dem wir unsere Emotionen rauslassen, den Aufstieg gefeiert und bitterliche Tränen geweint haben, sollte mit Fans eines anderen Vereins gefüllt werden. Wir können das nicht akzeptieren, da wir teilweise unsere ganze Freizeit opfern, um diese Kurve nach vorne zu bringen. Wir sind stolz auf diese Kurve! Es ist für uns der Ort, an dem jeder gleich ist, unabhängig was er im normalen Leben macht. Hier sind alle nur Fans von Mainz 05. Sie verbindet! Wer kennt das Gefühl nicht: Nach einem Tor kurz vor Schluss sich mit vollkommen Fremden in den Armen zu liegen und sein Glück einfach nur rauszubrüllen. Dieses unglaubliche Zusammengehörigkeitsgefühl und die Leidensfähigkeit resultiert nicht nur aus den Erfolgen und Misserfolgen der Mannschaft, sondern auch aus den Bemühungen verschiedenster Fans und Fanclubs für ihre Kurve. Der Kurve, die für sie ein besonderer, fast heiliger Ort ist. Es ist unser Zuhause und niemand möchte seine Heimat von Gegnern, in diesem Fall gegnerischen Fans besetzt haben.
Wir setzten uns also mit dem Verein in Kontakt und baten eindringlich darum, die Tribüne freizulassen, zumindest der Q-Block sollte frei bleiben. Der Verein verwies darauf, bei großem Andrang mehr Plätze anbieten zu müssen. Wir zeigten die Alternative Nordtribüne auf, welche über dieselbe Kapazität wie der Q-Block verfügt. Von Vereinsseite aus wurde zunächst eingewandt, dass zu hohe Kosten für eine Reinigung entstehen würden. Unserem Angebot die Reinigung selbst zu übernehmen folgte das Argument der fehlenden Sicherheit.
Es ist schon traurig, dass ein paar 100 Euro Reinigungskosten scheinbar wichtiger sind, als die Fans zufrieden zu stellen, aber das Argument der Sicherheit stellte in unseren Augen einen Witz dar. Laut diverser Quellen würden Frankfurter, Darmstädter und Hooligans von allen erdenklichen Vereinen erwartet- ?Highnoon? in Mainz! Der Verein hätte deshalb Angst um seine Sitzschalen und wollte deshalb lieber die Südtribüne für Offenbach öffnen. Natürlich stellte sich dies im Nachhinein als pure Panikmache heraus und es kam nicht zu den erwarteten Krawallen und auch auf der Osttribüne wurden keinerlei Sitzschalen von Hooligans beschädigt. Die Argumente unseres Vereins sind absolut fadenscheinig, scheinbar war es einfach nur der Aufwand, der hätte mehr betrieben werden müssen. Gut, dass wenigstens wir Fans diesen Aufwand oft genug betreiben.
Nach langen Diskussionen und Bitten sagte man uns dann zu, den Q-Block erst als letztes zu öffnen, also nur dann, wenn genug Offenbacher kommen würden. Es kamen genug Offenbacher und es tat einfach nur weh zu sehen wie diese in unserem Zuhause ihre Lieder sangen. So weh, dass ein Teil unserer Gruppe das Stadion verließ. Das war einfach zuviel! Die Südtribüne ist der Stolz und das Herz der Mainzer Fankultur, nicht umsonst haben wir ihr auch bei unserer 100-Jahreschoreo gesonderte Aufmerksamkeit zukommen lassen. "Deine Kurve" war dort gut zu lesen. Im Nachhinein wäre wohl "Unsere Kurve" passender gewesen. Diese Kurve gehört uns allen! Sie gehört den Fans! Es ist unsere Heimat, unser Kunstwerk, unser besonderer Ort! Sie ist keine Stück Metall, deren Namen man schnell an einen Sponsor verkauft, sondern ein Teil Identität der Mainzer Fankultur! Niemals wieder wollen wir diese Kurve aus unseren Händen geben, diese Kurve muss Ideale und Werte verkörpern. Sie muss von uns allen am Leben gehalten werden, jeder in Mainz muss wissen, dass diese Tribüne niemals aufgeben wird und immer wie ein Feuer in unserem Herzen brennen wird! Der zweite Kritikpunkt bildet die Stadionfrage. Der Präsident des 1.FSV Mainz 05, Harald Strutz, schmiedet ernsthafte Pläne, ein paar Bundesligaheimspiele in Frankfurt auszutragen. Schon im UEFA-Cup sind wir mit dieser Lösung nicht wirklich glücklich, jedoch akzeptieren wir sie. Spiele am Bruchweg wären zwar ein Traum, aber es hätte einfach keine faire Möglichkeit der Kartenvergabe gegeben und die Richtlinien der UEFA lassen es sowieso nicht zu. Von daher ist es wohl auch für die Fanszene gut, dass nun wirklich jeder die Spiele sehen kann. Aber in der Liga darf es unserer Meinung nach keinen Umzug geben. Der FSV gehört nach Mainz! Da gibt es kein Wenn und Aber! Wir sind auch nicht davon überzeugt, dass es wirklich wirtschaftlich sinnvoll wäre, da es vermutlich sehr viele Fans ablehnen würden, diese Spiele zu besuchen. Aber vielleicht lässt sich das Stadion bzw. der Geldbeutel ja mit Bayern- oder Schalkefans füllen, die einmal in ihrem Leben ihren Verein anschauen, weil er gerade Mal in der Nähe spielt. Na dann viel Spaß!