Welch eine Euphorie...
...die sich da in der blauen Gemeinde ausgebreitet hat! Vielleicht sollte ich tatsächlich wieder öfter hier vorbeischauen. 
Eine derart ungeteilt positive Einschätzung zu einem neuen Trainer hätte ich im Umfeld der Arminia nie für möglich gehalten. Das übertrifft ja selbst die anfängliche Begeisterung bei der letzten Inthronisierung unseres Jahrhunderttrainers...
Nun steht also seit Montag (?) fest, dass es Herr Berger geworden ist. Berger gibt uns den verloren gegangenen Glauben zurück! Den Glauben an uns selbst und an einen, den einen - in seiner unendlichen Güte natürlich uns wohl gesonnenen – Fußballgott. Oh, wie ist das schön.
Bleibt jetzt nur noch, die sprichwörtlichen Berge zu versetzen. Hannover hebeln wir am Samstag selbstredend ganz alleine. Klarissimo. Armer Enke. Die Kleinigkeit in Gladbach wird sich der liebe Fußballgott selber vorbehalten wollen. Mir persönlich wäre ja eine frühzeitige Führung des BvB in deutlicher Höhe am liebsten... aber damit will ich IHM natürlich nicht reinreden. Was zählt ist, dass nun alles gut wird.
Und das wird es ja nun, alles gutt. Wir müssen lediglich gaaanz fest ’dran’ glauben... und schon werden wir selig. Dass mir da ja keiner vorzeitig schlapp macht, Amigos!
Hach…, ist das herrlich, so eine Re-Christianisierung. Und das Ganze punktgenau 2000 Jahre n.d.V. (nach der Varusschlacht). Wer wollte da an dem Wirken höherer Mächte nur im Geringsten zweifeln.
Und ja, auch ich hochachte unseren neuen Heiland und bezeuge ihm meinen ganzen Respekt. Ehrensache!
Doch eines, mit Verlaub, würde ich gerne anfügen:
'Uns' B. wurde nicht als Heiland geboren, sondern erst im Laufe der Zeit (von einer geneigten Öffentlichkeit) zu einem solchen erkoren. Nicht, dass dieses seinen heiligen Status anföchte. Es bedeutet jedoch, dass er zuvor reichlich irdischen Tribut zu zollen hatte. Einen Tribut, der sich wohl kaum auf die hier zahlreich kommentierten, schweren Schicksalsschläge beschränkt haben dürfte. Wären wir etwas älter (als wir es sind), wüssten wir womöglich von recht banalen Egoismen des junge B. zu berichten, von einem langen Kampf selbigen jungen Mannes gegen Legionen triefender Eitelkeiten und ähnlichem. Wir würden es heute kaum glauben und wollten es sicherlich auch gar nicht wissen.
Andererseits könnte die Erinnerung an solch irdische Ursprünge derartiger Überväter dem gewöhnlichen Fan vielleicht auch ein wenig persönlichen Mut geben - über die Belange der Arminia hinaus. Möglicherweise verhülfen uns Einsichten aus dieser Quelle gar zu einer gewissen mentalen Großzügigkeit. Einer Großzügigkeit, die es uns erlaubte, einem solch geerdeten Wesen - wie es der arme M. F. immer noch zu sein scheint - ebenfalls seine ganz individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zuzugestehen (muss ja nicht immer gleich bis zum Heiland führen, die Karriereleiter).
Mit fortgesetztem Nachtreten und auf Ewigkeiten angelegte Verwünschungen jedenfalls, gäben wir lediglich zweifelhafte Rückmeldungen über unseren ureigenen Kilometerstand in der Evolutionsgeschichte ab.
Und unsere ganz persönliche Klasse würden wir dergestalt noch fahrlässiger aufs Spiel setzen als es ein paar honorige ’Gremiens’ seit Jahren mit der Erstligazugehörigkeit unseres Lieblingsvereins (zu) tun (scheinen).
Seien wir also großzügig, Amigos. Lasset uns mit guten Wünschen für die Zukunft des Herrn Frontzeck ebenso wenig geizen wie mit unserem Glauben an die heilenden Kräfte des Herrn Berger.
Und da Glaube sehr häufig auch Hoffnung im Gepäck hat, hoffen wir doch bei der Gelegenheit gleich noch mit auf das Entwicklungspotential unserer rührigen Schreibtischvirtuosen. Mögen sie mit der nun wieder einmal gewonnenen Zeit, endlich auch die Weichenstellung der sportlichen Weiterentwicklung unserer Arminia mit Verve - und zwar nachhaltig - in Angriff nehmen. Auf das wir uns nicht jedes Jahr erneut gesund – sprich ’zum Klassenerhalt’ - beten müssen.
Hasta la vista,
Valdano